Geldanlage & Inflation

Gefahr oder Chance auf steigende Zinsen?

Am Schlagwort Inflation entzünden sich spätestens seit der Finanzkrise nicht nur in den immer gleichen Talkshows die Emotionen. Kommt sie oder kommt sie nicht? Welche Auswirkungen hat die massive Ausweitung der Geldmenge durch Notenbanken rund um den Globus auf die Inflationsrate und damit letztlich auf den Wert der Geldanlage? Gibt es wirklich einen Schutz vor Inflation?

Bevor wir einen Blick zurück auf die letzten Jahre werfen, um zu sehen, was aus den vielen Geldanlagen geworden ist, die mit dem Label Inflationsschutz teils massiv in den Markt gedrückt wurden, gehen wir der Frage nach, ob Inflation auch etwas positives bedeuten kann. Denn schließlich wird ihre Abwesenheit in den vergangenen Jahren nicht selten als Grund für das andauernde Zinstief benannt.

Die gute Seite der Inflation

Oder: eine sachliche Betrachtung

Hundertprozentige Preisstabilität funktioniert nur auf dem Papier. Oder in einer Planwirtschaft.

Dort sorgen gesetzlich vorgegebene Preise für nominale Stabilität. Dass das eine ganz andere Form von Stabilität ist, haben die planwirtschaftlichen Feldversuche längst vergangener Jahrzehnte gezeigt. Denn wie die Geschichte beweist, hat eine statische Wirtschaft gegenüber dem marktwirtschaftlichen Modell keinen Mehrwert erreicht.

Das wohl bezeichnendste Beispiel zeigt sich in der deutschen Automobilindustrie: während Wartburg und Trabant nicht zu Marktpreisen verkauft wurden - bis sie letztlich nicht mehr zu verkaufen waren - ist natürlich der Preis der Hersteller für Fahrzeuge, die auch heute noch auf den Straßen unterwegs sind, im Lauf der Zeit gestiegen. Nominal kostet heute ein PKW natürlich mehr als vor 20 oder gar 40 Jahren. Aber wer würde behaupten, dass er beim Kauf eines Neuwagens im Vergleich zu 1990 oder 2000 für den heutigen Preis kein Plus an Sicherheit oder Funktionalität und Komfort erhält?

Oder nehmen Sie einen mittlerweile so alltäglichen Gebrauchsgegenstand wie ein Mobiltelefon. Natürlich sind Smartphones heute teurer als ein Handy vor zwanzig Jahren. Aber wer würde behaupten, dass er schon damals im Internet surfen, seine Emails abrufen oder den Kalender so bequem wie heute verwalten konnte?

Da wir nicht in statischen Wirtschaftskreisläufen leben, wird produktiver Fortschritt mit höheren Preisen bewertet und letztlich auch bezahlt. Sonst lohnten sich Forschung und Entwicklung nicht. Selbst die Deutsche Bundesbank als Hüterin der Deutschen Mark und heute die Europäische Zentralbank definieren Preisstabilität nicht mit gleichbleibenden Preisen. Eine mäßige Inflation ist somit nicht Ausdruck eines Problems, sondern nüchtern betrachtet auch eine natürliche Begleiterscheinung wirtschaftlichen Fortschritts.

Wie immer: 2 Seiten der Medaille

Natürlich gibt es auch die viel häufiger und mit Sicherheit zu recht wahrgenommene schmerzhafte Seite der Inflation. Sie tritt nicht nur zum Vorschein, wenn wir keinen Sinn darin erkennen, warum das Stück Butter plötzlich 20% teurer ist als im Vorjahr oder der Benzinpreis an der Tankstelle wieder steigt.

Sondern auch wenn wir feststellen, dass über Jahre mühsam Erspartes nicht mehr dazu ausreicht, den vor Jahren zum Sparziel erklärten Wunsch zu bezahlen. Kritisch wird es, sollte eine Inflationsspirale wie in den 1920er Jahren in Gang kommen. Davon jedoch sind wir aktuell weit entfernt. Und dafür gibt es gute Gründe: Für Unternehmen ist es heute deutlich schwieriger als vor hundert Jahren, Preiserhöhungen durchzusetzen. Mit der ständigen Verfügbarkeit von Ersatzprodukten, der wesentlich höheren Vergleichbarkeit und damit auch Austauschbarkeit von Produkten und Dienstleistungen können sich Unternehmer kaum Preiserhöhungen erlauben ohne Gefahr zu laufen, Marktanteile zu verlieren.

Düstere Prognosen bis heute nicht eingetreten

Als die Notenbanken rund um den Globus während der Finanzkrise begannen, massiv Geld "zu drucken", wurden zum Ende des Jahres 2008 schlagartig düsterste Szenarien entworfen und verbreitet. Oft zitiert wurden Wirtschaftswissenschaftler - darunter nicht nur unbekannte Namen - die für 2011 eine Inflationsrate von 10% und mehr prognostizierten.

Doch stattdessen war trotz der Geldschwemme in Folge der weltweiten Rettungsmaßnahmen für Banken und Finanzkonzerne eine historisch niedrige Inflationsrate zu beobachten. Aus gutem Grund: Als Folge des Wirtschaftseinbruchs wurden weniger Rohstoffe und Güter nachgefragt, was zunächst sogar zu rückläufigen Preisen führte.

Nicht überall, wo Inflationsschutz draufsteht...

... steckt auch Inflationsschutz drin

Für einige Anbieter reichten die wenig fundierten Schreckensszenarien dennoch aus, um ihre Angebote zur "Rettung" von Millionen an Anlegergeldern vor der drohenden Inflation anzupreisen. Und zu verkaufen. Plötzlich waren nicht nur Gold und alles was sich als Sachwert verkaufen ließ, sondern auch Inflationsanleihen groß in Mode. Warum wir unseren Kunden davon abgeraten haben? Weil damals wie heute gilt: Ein Vermögen lässt sich nicht mit einer fünfjährigen Inflationsanleihe, die nur 1% Mindestverzinsung garantiert und deren Verzinsung zudem noch bei 4% nach oben gedeckelt ist, vor Geldentwertung schützen.

Selbst wenn die Inflation - entgegen unserer Erwartung - "durch die Decke gegangen" wäre, mit solch einer Inflationsanleihe hätten Anleger Geld verloren. Denn weil mit steigender Inflation i.d.R. auch die Zinsen steigen, wäre ein Ausgleich höherer Inflationsraten mit solchen Konstrukten auf Grund der beschriebenen Deckelung des Zinsertrags erst recht nicht möglich, Kursverluste folglich vorprogrammiert.

Noch schlimmer: Das größte Problem einer so ausgestalteten Inflationsanleihe ist paradoxerweise die Inflationsrate an sich. Denn die durchschnittliche Preissteigerung wird als prozentualer Wert gegenüber einem Vergleichszeitraum (in der Regel dem Vorjahr) berechnet. Damit entsteht ganz schnell ein als Basiseffekt umschriebenes Phänomen: Preise steigen in einer Marktwirtschaft nicht jährlich linear. Das heißt, auf ein Jahr mit hoher Inflation folgt in der Realität auch gelegentlich wieder ein Jahr mit niedrigen Preissteigerungen. Im Extremfall hätten Anleger in einem Jahr mit 5% Inflation diese (auf Grund der Maximalverzinsung) nicht ausgleichen können, in einem darauf folgenden Jahr mit 0,9% Inflation, wären sie dafür mit einem mageren Aufschlag von 0,10% auf die Inflationsrate "belohnt" worden, weil für die in unserem Beispiel gewählte Anleihe dann die Mindestverzinsung in Höhe von 1% -gegriffen hätte.

Aktuelle Inflation im Blick behalten

So gefährlich es für Anleger werden kann, sich in Panik vor Geldentwertung für eine ihrem Namen nicht gerecht werdende Inflationsanleihe zu entscheiden oder Geld nur noch in Immobilien (Vergessen Sie die 1990er Jahre nicht), Aktien (Haben Sie immer jeden Kurssturz ohne Panikverkauf ausgehalten?) oder Gold (die Top-Empfehlung der 2010er Krisenjahre vieler selbsternannter Experten...) anzulegen, so gefährlich ist es, das Thema Inflation bei der Geldanlage zu ignorieren.

Denn nicht die vielleicht nie eintretende Extrem-Inflation ist es, die Geldwerte vernichtet, sondern die reale Inflation. Auch bei einer jährlichen Inflationsrate von nur 2% schwindet die Kaufkraft einer Geldanlage binnen 10 Jahren um mehr als 17%: So bleiben von einer Geldanlage mit einem Anlagebetrag von 20.000 EUR in 10 Jahren "gefühlt" nur noch etwas mehr als 16.000 EUR übrig.

Klassische Rezepte statt wilder Experimente

Da es jedoch - genauso wenig wie jemand den Stand des DAX in zehn Jahren seriös prognostizieren kann - schwierig sein dürfte, die Inflation auf Sicht von zehn Jahren vorherzusagen, führt der einzige Weg, Inflationsrisiken zu begrenzen zu einem sinnvollen Mix aus verschiedenen Anlagemöglichkeiten und nicht zu der einen Anlage, die vor Inflation schützt. Gut zu wissen: dass es dazu noch immer sinnvolle Anlagemöglichkeiten und sogar das ein oder andere Zinsschnäppchen gibt.

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