Rallye oder Crash?

Mit einer Anlage in Aktien konnten Anleger in den letzten Jahren eine stattliche Rendite erwirtschaften. Deutsche, europäische und amerikanische Aktienindizes haben in den letzten Jahren immer wieder neue historische Höchstmarken gesetzt. Die Aktienrallye schien kein Ende finden zu wollen. All dem hat das Coronavirus zu Beginn des Jahres 2020 zunächst ein abruptes Ende bereitet. 

Mit dem Ausbruch der Corona-Krise stellte sich für viele Anleger daher zunächst nicht mehr die Frage, wie lange die Kurse weiter steigen, sondern vielmehr, wann der Crash zu Ende sein würde.

Doch so plötzlich, wie die Kurse den Rückwärtsgang eingelegt hatten, so plötzlich ging es schon nach kurzer Zeit wieder bergauf.

Droht bald eine neue Korrektur?

Inzwischen haben die Börsen neue Allzeithochs erreicht und zunehmend mehr Anleger haben eine Geldanlage in Wertpapiere für sich entdeckt. Für andere stellt sich gerade damit wieder die Frage, ob jetzt noch der richtige Zeitpunkt ist, um in Aktien und Aktienfonds zu investieren.

Oder werden wir schon bald Kurse sehen, die wieder 20 bis 30 Prozent unter den aktuellen Notierungen stehen und damit viel bessere Einstiegsmöglichkeiten bieten? Klar ist: Ein einfaches „Jetzt alles auf Aktien setzen!" , wie es in den vergangenen Jahren nur allzu oft erschallte, ist mindestens so falsch, wie Aktien und Aktienfonds  aus Angst vor einem Crash komplett zu ignorieren.

Aktienrallye mangels Anlagealternativen?

Schon seit Jahren sind Staats- und Unternehmensanleihen für die Geldanlage  zunehmend unattraktiv geworden. Für die Geldanlage auf einem Sparkonto oder Festgeld gibt es bei vielen Banken keine Zinsen mehr. Und auch bei den Tagesgeldzinsen sieht es nicht besser aus. Im Gegenteil: Der Zins-Crash ist längst da und nicht wenige Anleger sehen sich mittlerweile statt mit Nullzinsen sogar mit Negativzinsen für kurzfristige Anlagen konfrontiert.

Als Hauptgrund für steigende Kurse an der Börse in den vergangenen Jahren wird daher nicht selten die Alternativlosigkeit von Aktien und Dividenden genannt. Doch es ist zu einseitig, die gestiegenen Kurse an den Börsen nur auf fehlende Anlagealternativen zurückzuführen.

Mehr als eine Geldanlage.

Wenn es aber (zumindest bisher) nicht das große Umschichten von Zins- in Wertpapieranlagen war, dass die Börsen in den letzten Jahren beflügelt hat, was war es dann?

Vielen Menschen fällt zum Stichwort Aktien nur das Auf und Ab an der Börse ein. Zu undurchsichtig erscheint es den meisten, warum Kurse fallen oder steigen. Gerade Situationen, wie wir sie seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie erlebt haben - ein schneller Crash und schon kurz darauf wieder steigende Kurse - sind für viele der Beleg dafür, dass Aktien nicht zur Geldanlage taugen.

Dabei wird eines häufig übersehen: Aktien sind längst nicht nur eine Form der Geldanlage, sondern auch wesentlicher Bestandteil der Finanzierung eines Unternehmens. Ähnlich wie beim Kauf einer Immobilie, orientieren sich auch die Kosten der Unternehmensfinanzierung am Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital.

So wie der Käufer eines Eigenheims, der nur 40 % des Kaufpreises finanzieren muss, im Vergleich zu einem Häuslebauer, der mangels Eigenkapital für 80 % der Kosten einen Kredit benötigt, mit geringeren Zinsen rechnen kann, sinkt mit höherem Eigenkapital auch die Zinslast für ein Unternehmen.

Aktien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Denn anders als ein Kredit oder eine Anleihe gehört Geld, das ein Unternehmen durch die Ausgabe von Aktien erhält, nicht zum Fremdkapital einer Firma. Statt des Rechts auf regelmäßige Zinseinnahmen, die ein Fremder - zum Beispiel eine Bank in Form einer Kreditlinie oder ein Anleger, der eine Unternehmensanleihe kauft - erwirbt, kauft ein Aktionär einen Anteil eines als Aktiengesellschaft firmierenden Unternehmens und ermöglicht damit überhaupt erst weitere Finanzierungsmöglichkeiten.

Statt Zinsen erhalten Aktionäre für das Kapital, das sie einem Unternehmen zur Verfügung stellen einen Anteil am Unternehmensgewinn in Form einer Dividende oder steigender Aktienkurse.

Kaufen, wenn die Kanonen donnern.

Vielen bekannt ist ein Carl Mayer von Rothschild zugeschriebenes Börsenzitat: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen". Wenn es nur so einfach wäre. Denn wer kann sicher sagen, wann sie richtig donnern oder ob wir sie nur aus der Ferne nahen hören? Wer kann wirklich vorhersagen, ob die Börsen ein oder zwei Jahre nach dem nächsten Crash wieder Gewinne erwarten lassen?

Vorsicht ist die Mutter der Geldanlage.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden."

Dieses Zitat von André Kostolany ist ein besserer Ratgeber als die verlockend einfach klingenden Aussagen, dass "Dividenden die neuen Zinsen sind". Ob Allzeithoch, Börsencrash oder irgendwo dazwischen - eines gilt jederzeit: Am besten fahren Anleger, die Ihre Vermögenswerte breit streuen und nicht zu jeder Zeit voll investiert sind.

So überstehen Sie eine Vollbremsung an der Börse.

Genau genommen gelten in herausfordernden Börsenzeiten die gleichen Empfehlungen, wie in ruhigerem Fahrwasser. Verzichten Sie nicht nur auf Panikverkäufe. Ebenso wichtig ist es, Panikkäufe zu vermeiden. Denn niemand hat die berühmte Glaskugel, mit der sich mit Sicherheit sagen lässt, wann der Tiefpunkt an den Börsen erreicht ist.

Anleger, die bisher nicht oder kaum in Aktien investiert sind, sollten auch nach einem Kursrückgang nur selektiv einsteigen und nicht "all in" gehen.

Anleger, die bereits höhere Aktienengagements haben, sollten diese laufend im Blick behalten. Von einem intelligenten Orderzusatz zur Absicherung des Depots bis zur Geldanlage in Aktienanleihen von Emittenten mit zweifelsfreier Bonität öffnet sich ein weites Feld, um Risiken zu reduzieren und selbst bei weiter sinkenden Kursen oder seitwärts laufenden Märkten ohne neue Höchstkurse eine positive Rendite erzielen zu können.

Für alle gilt: Achten Sie auf Ihre Liquidität, um bei sinkenden Kursen (überhaupt) noch  nachzukaufen zu können und Kursverluste schneller ausgleichen zu können.

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