Rallye oder Crash?

Mit einer Anlage in Aktien konnten Anleger seit dem Ende der Finanzkrise eine stattliche Rendite erwirtschaften. Deutsche, europäische und amerikanische Aktienindizes haben in den letzten Jahren immer wieder neue historische Höchstmarken gesetzt. Die Aktienrallye schien kein Ende finden zu wollen. All dem hat das Coronavirus ein abruptes Ende bereitet. 

Droht dieses Mal mehr als eine Korrektur?

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise stellt sich für Anleger jetzt nicht mehr die Frage, wie lange die Kurse weiter steigen, sondern vielmehr, wie weit sie jetzt noch sinken können. Haben wir in den vergangenen Wochen das schlimmste an den Börsen schon gesehen? Schließlich sind die Kurse seit Anfang des Jahres bereits deutlich eingebrochen. Oder ist das alles erst der Anfang eines richtigen Crashs?

Ist es sinnvoll, gerade jetzt in Aktien und Aktienfonds zu investieren? Oder werden wir schon bald Kurse sehen, die noch einmal 30 bis 40 Prozent unter den aktuellen stehen und damit viel bessere Einstiegsmöglichkeiten bieten? Klar ist: Ein einfaches „Jetzt alles auf Aktien setzen!" , wie es in den vergangenen Jahren nur allzu oft erschallte, ist mindestens so falsch, wie Aktien und Aktienfonds ab sofort für die Geldanlage komplett zu ignorieren.

Aktienrallye mangels Anlagealternativen?
Ein Rückblick.

Als Hauptgrund für die starke Nachfrage nach Aktien nannten Experten in den vergangenen Jahren häufig die Alternativlosigkeit von Aktien und Dividenden. Staats- oder Unternehmensanleihen waren für die Geldanlage  zunehmend unattraktiv geworden. Für die Geldanlage auf einem Sparkonto oder Festgeld gibt es bis jetzt bei vielen Banken keine Zinsen mehr. Und auch bei den Tagesgeldzinsen sieht es nicht besser aus: Hier verlangen nicht wenige Banken mittlerweile sogar Verwahrgebühren für die Anlage großer Vermögen.

Doch es ist zu einseitig, die gestiegenen Kurse an den Börsen nur auf fehlende Anlagealternativen zurückzuführen: Unternehmensgewinne und Dividenden sind in den letzten Jahren gestiegen , die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem historischen Tiefststand gesunken. Die deutsche Wirtschaft profitierte nicht mehr nur vom Export, sondern langsam auch von steigendem Konsum, Investitionen heimischer Unternehmen und der guten Auftragslage im Baugewerbe. Alles zusammengenommen - gute Gründe für neue Bestmarken im DAX. Kein Wunder daher, dass wir zu Beginn des Jahres 2020 - kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein neues Allzeithoch erleben durften.

Genau daraus ergibt sich aber auch, warum erfahrene Anlageberater und Vermögensverwalter immer vor Sätzen wie "Dividenden sind die neuen Zinsen" gewarnt haben. Wären die Kurse in den letzten Jahren nur wegen kaufwütiger Anleger gestiegen, weil diese auf Zinseinnahmen verzichten mussten, was wäre heute anders? Schließlich sind die Zinsen bislang nicht gestiegen.

Corona zeigt, dass unsere Welt komplexer ist. Es zeigt einmal mehr, dass verlockend einfach klingende Antworten häufig nicht die richtigen Antworten sind. Das gilt im Besonderen auch für die Geld- und Kapitalanlage. Es verdeutlicht, warum es immer wichtig ist, Vermögenswerte breit zu streuen und eben nicht zu jeder Zeit voll investiert zu sein. Warum es lohnt, in guten Zeiten immer wieder auch Gewinne "mitzunehmen" und ausreichend Liquidität für Krisenzeiten zur Seite zu legen.

Mehr als eine Geldanlage.

Darf man sich in Zeiten einer weltweiten Pandemie überhaupt mit Themen wie der Geldanlage oder Aktien im Speziellen beschäftigen? Gibt es nicht genug andere Probleme? Und sind Aktien nicht allein das Problem einiger weniger Menschen, die in der Vergangenheit mehr Geld zurücklegen konnten als andere?

Wer keine Aktien hält, fühlt sich bestätigt, dass der Kauf von Wertpapieren nur etwas für Spekulanten ist. Für Aktionäre oder Fondsanleger ist möglicherweise (demnächst) die Angst vor einem immer weiter um sich greifenden Crash plötzlich wieder da, der die Börsen auf der ganzen Welt noch mehr auf Talfahrt schickt.

Vielen Menschen fällt zum Stichwort Aktien nur das Auf und Ab an der Börse ein. Zu undurchsichtig erscheint es den meisten, warum Kurse fallen oder steigen. Gerade Situationen, wie wir sie derzeit im Zusammhang mit der Corona-Pandemie erleben, sind für viele der Beleg dafür, dass sie nicht zur Geldanlage taugen, da die Risiken unüberschaubar seien: Selbst die Aktienkurse vieler Unternehmen, die bis vor Kurzem noch blendend da standen und deren Produkte und Dienstleistungen die meisten von uns auch zukünftig benötigen, sind massiv unter Druck geraten.

Dabei wird eines häufig übersehen: Aktien sind eben nicht nur eine Form der Geldanlage, sondern auch wesentlicher Bestandteil der Finanzierung eines Unternehmens. Ähnlich wie beim Kauf einer Immobilie, orientieren sich auch die Kosten der Unternehmensfinanzierung am Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital.

So wie der Käufer eines Eigenheims, der nur 40 % des Kaufpreises finanzieren muss, im Vergleich zu einem Häuslebauer, der mangels Eigenkapital für 80 % der Kosten einen Kredit benötigt, mit geringeren Zinsen rechnen kann, sinkt mit höherem Eigenkapital auch die Zinslast für ein Unternehmen.

Aktien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Denn anders als ein Kredit oder eine Anleihe gehört Geld, das ein Unternehmen durch die Ausgabe von Aktien erhält, nicht zum Fremdkapital einer Firma. Statt des Rechts auf regelmäßige Zinseinnahmen, die ein Fremder - zum Beispiel eine Bank in Form einer Kreditlinie oder ein Anleger, der eine Unternehmensanleihe kauft - erwirbt, kauft ein Aktionär einen Anteil eines als Aktiengesellschaft firmierenden Unternehmens und ermöglicht damit überhaupt erst weitere Finanzierungsmöglichkeiten.

Kaufen, wenn die Kanonen donnern.

Vielen bekannt ist der Satz von Carl Mayer von Rothschild: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen". Wenn es nur so einfach wäre. Denn wer kann sicher sagen, ob sie jetzt schon donnern oder ob wir Sie derzeit noch aus der Ferne nahen hören? Wer kann wirklich vorhersagen, ob die Börsen in ein oder zwei Jahren die bisherigen Kursverluste wieder wettgemacht haben werden oder ob wir in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter sinkende Aktienkurse sehen werden? Drohen uns wie zuvor bei den Zinsen jetzt vielleicht auch am Aktienmarkt japanische Verhältnisse? Oder haben wir die schlimmsten Kursverluste bereits hinter uns?  

Vorsicht ist die Mutter der Geldanlage.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden." Dieses Zitat des Börsen-Altmeisters André Kostolany macht klar, wie wichtig es auch nach den Verlusten der letzten Wochen und Monate bleibt, nicht voll in den Markt einzusteigen oder bei jeder Trendwende erneut nachzukaufen.

So überstehen Sie die Vollbremsung an der Börse.

Genau genommen gelten in herausfordernden Börsenzeiten die gleichen Empfehlungen, wie in ruhigerem Fahrwasser. Verzichten Sie nicht nur auf Panikverkäufe. Ebenso wichtig ist es, Panikkäufe zu vermeiden. Denn wie bereits ausgeführt, hat niemand die berühmte Glaskugel, mit der sich mit Sicherheit sagen lässt, wann der Tiefpunkt an den Börsen erreicht ist.

Anleger, die bisher nicht oder kaum in Aktien investiert sind, sollten auch jetzt nur selektiv einsteigen. Für Anleger, die bereits höhere Aktienengagements haben, ist es wichtig, diese laufend zu überwachen. Von einem intelligenten Orderzusatz zur Absicherung des Depots bis zur Geldanlage in Aktienanleihen von Emittenten mit zweifelsfreier Bonität öffnet sich ein weites Feld, um Risiken bei der Geldanlage in Aktien zu reduzieren und selbst bei weiter sinkenden Kursen oder seitwärts laufenden Märkten ohne neue Höchstkurse eine positive Rendite erzielen zu können.

Für alle gilt: Achten Sie auf Ihre Liquidität, um bei möglicherweise weiter sinkenden Kursen überhaupt noch in der Lage zu sein, nachzukaufen, um Kursverluste schneller ausgleichen zu können.

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